168 – Blinde Diabetiker – Wie machen die das?

Blinde Diabetiker haben mal so richtig eine Challenge am Start. Geh einmal zu einem „Dinner in the dark“, danach siehst Du die Welt mit anderen Augen.

Ich hatte schon lange vor dieses Thema anzugehen und hatte auch schon ein paar Gespräche geführt. Jedoch gab es niemanden, der so richtig offen darüber sprechen wollte. Bis ich Mona, 29 Jahre, kennenlernen durfte und hab sie ausgequetscht. Leider auch hier nicht am Mikro. Ok, für mich ist es das normalste überhaupt, da ich seit Ende 2017 jede Woche eine Folge produziere aber eben nicht für andere 🙂

Sascha von den Zuckerjunkies
„Liebe Mona, wenn Du das hörst, möchte ich mich bei Dir bedanken, dass Du mir so offen auf alle meine Fragen geantwortet hast. Wir haben nur Diabetes und Du meisterst diesen auch noch blind. Du bist meine persönliche Folgenheldin!“

Blindheit muss keine Behinderung sein

Das Blindheit keine „Behinderung“ darstellt, habe ich durch eine Podcastkollegin und Coach kennengelernt. Lange habe ich es nicht gewusst, dass sie komplett blind ist. Sie schreibt wie eine Sehende, kommentierte zum Teil Bilder, in unserer Podcastschule!! Bilder!!! Sie hat sogar selbst immer wieder Bilder von Ihren Tieren auf Facebook gepostet und und und. Durch einen reinen Zufall ist es mir aufgefallen, als sie ein Bild nicht verstand und ich es nicht verstanden habe, dass sie das Bild nicht kapiert. Die Antwort von ihr: „Äh, vielleicht liegt es daran, dass ich blind bin?“ WOW, seit dem mag ich sie umso mehr 🙂

Nicht schlimm. Mona durfte ich sämtliche Fragen stellen und sie hat diese alle beantwortet 🙂

WICHTIG: Falls Du das als blinde Person hörst oder Du jemanden kennst, der blind ist und Diabetes bekommen hat, so steht Mona für weitere Fragen gerne zur Verfügung. Kontaktiert Mona direkt oder auch mich über Kontakt@zuckerjunkies.com oder nutzt mein Kontaktformular mit dem Stichwort: 168 – Blinde Diabetiker

Warst Du schon von Geburt an blind?

Ich hatte mit zweieinhalb Jahren einen Gehirntumor, der an meinen Sehnerven hing und bei der OP hat man den rechten Sehnerv komplett entfernen müssen. Den linken hat man stehen gelassen. Deshalb habe ich auf dem linken Auge noch einen kleinen Sehrest. Mit dem kann ich noch hell und dunkel, Umrisse und bestimmte Farben erkennen.

Wann und wie hat man Deinen Zuckeranhängsel gefunden?

Meinen Diabetes hat man schon in der Kinderklinik festgestellt. Da weiß ich, dass ich da auch eine Weile die Metformin nehmen musste. Da ich diese damals aber nicht vertragen habe, hat man weiter nichts mehr gemacht.

Ich hab erst viel später von meinem Diabetes erfahren, als ich nicht mehr in die Kinderklinik gehen durfte. Weil ich 18 Jahre war, musste ich mir einen anderen Arzt suchen, der mir meine Wachstumshormone weiter verschreiben konnte. Dieser war auch Diabetologe und hat festgestellt, dass ich Diabetes habe. Er hat sich wiederum mehr um den Diabetes gekümmert, als um meine Wachstumshormone.

Dieser Arzt hat sich wiederum immer nur mit meiner Mutter über mich unterhalten und mit mir überhaupt nicht. Er meinte auch immer, dass ich kein Insulin bräuchte, sondern immer nur Tabletten.

Jetzt bin ich bei einer ganz netten Diabetologin in Bad Heilbrunn.

Letztendlich hat man als Grund meines Diabetes herausgefunden, dass meine Leber durch die Chemo und Bestrahlung einen Schaden erlitten hat und viel zu viel Zucker an meinen Körper abgibt.

Was sind die ersten Schritte, die ein blinder Diabetiker beigebracht bekommt?

Als ich erfahren habe, dass ich Diabetes habe, hat man mir nur gesagt, dass ich meine Ernährung ändern und mich auch mehr bewegen soll. Damit dachten die Ärzte damals, dass dann alles besser werden sollte.

Was nutzt Du, um Deinen Blutzucker zu messen?

Ich nutze das Freestyle Libre und bekomme meine Alarme und auch meine Werte über mein iPhone angesagt.

Persönliche Anmerkung von der Zuckerjunkies-Redaktion:
Meine Gedanken zum klassischen blutig Messen, wenn man blind ist. Das ist schon eher eine Challenge, da die Geräte nicht zu früh loslegen dürfen, bevor wirklich genug Blut auf dem Teststreifen ist. Der Blutstropfen muss wiederum zügig auf den Streifen und wann ist genug Blut drauf? Hier braucht es eben auch akustisches Feedback. Teste einmal, wie Du klar kommst, um den Streifen mit geschlossenen Augen zu treffen? Es gibt ja richtig lange Dinger, die für einen Blinden gefühlt sehr weit weg vom eigentlichen Gerät sind. Da kann es auch vorkommen, dass der Streifen einfach mal umgebogen wird.

Wie wechselst Du den Sensor?

Das Wechseln des Sensors kann ich zwar alleine aber meine Mutter oder mein Bruder sind trotzdem immer dabei. Es kann leicht passieren, dass es mal blutet.

Was ist die größte Hürde, die Du als Diabetiker meistern musstest und wie hast Du diese geschafft?

Meine größte Hürde ist das dauernde Spritzen, da ich sehr empfindlich bin und es mir fast immer weh tut. Egal wohin ich spritze, ist es immer eine Überwindung für mich.

Wenn Du 3 Wünsche in Bezug auf Diabetes frei hättest, welche wären das?

Wenn ich drei Wünsche frei hätte, würde ich mir wünschen, dass es mehr Aufklärung und auch mal bspw. Kochkurse etc. für blinde Diabetiker gäbe. Außerdem fände ich es schön, wenn man mehr Kontakt zu jüngeren, also in meinem Alter, blinden Diabetikern bekäme. Schön wäre es auch, wenn es in meiner Region (Füssen) mehr oder überhaupt mal einen Diabetologen gäbe.
Zuckerjunkies-Aufruf: Melde Mona Diabetologen, wenn Du in der Ecke einen guten kennst!

Was würdest Du anders machen, wenn Du mit Deinem Diabetes neu anfangen müsstest?

Wenn ich nochmal von vorn anfangen dürfte, wäre ich froh, wenn ich es früher erfahren hätte und während dessen nicht im Internat gewesen und den Internatsfraß bekommen hätte.

Hast Du eine Pumpe oder einen Pen?

Ich spritze mich mit einem Pen und frage da meist meine Mutter oder jemand anderen, der sehen kann, wie voll er noch ist. Wenn ich verreise, nehme ich sowieso immer Ersatz mit. Die Einheit kann ich ganz einfach einstellen, da der Pen ja bei jedem Drehen einen Klick von sich gibt.

Welche Tipps möchtest Du anderen blinden Diabetiker auf den Weg geben?

Anderen Blinden würde ich raten, dass sie sich das Freestyle Libre verschreiben und verordnen lassen sollten, da es auf dem Blutzuckermessgerätemarkt nicht wirklich viele gute Messgeräte mit Sprachausgabe gibt.


Show Notes

Kontakt zu Mona

eMail: mona.vollmer@gmx.de

DBSV Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.
https://www.dbsv.org/menschen-mit-diabetes.html


** Danke für´s Zuhören **

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Sascha Schworm - Gründer und Betreiber vom Podcast Zuckerjunkies
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