482 – Typ 1 Diabetes: Das Buch, das ich gebraucht hätte
Manche Gäste reden über ihr Buch. Theresa Berles redet über das Buch, das sie selbst gebraucht hätte. Vor 25 Jahren. In der Klinik. Mit neun.
Ich hatte mal wieder keine Ahnung, wie ich die Folge anfangen soll – das ist ja inzwischen mein Markenzeichen. Am anderen Ende der Leitung: ein fast internettotes Waldstück zwischen Erfurt und Weimar. Und Theresa Berles. Ehemalige Leistungssportlerin, Mama von zwei wilden Jungs, Typ-1erin seit einem Vierteljahrhundert. Und jetzt auch Buchautorin.
Vom Feld auf die Sportschule
Theresa bekam ihre Diagnose mit neun Jahren. Damals wurde der Familie eher von Sport abgeraten. Ihre Mutter, gelernte Krankenschwester, sah das anders: Bewegung ist gut. Also ab zur Leichtathletik nach Erfurt.
Das Witzige: Training fand sie super, Wettkämpfe eher nicht. „Warum soll ich mich mit irgendwem vergleichen?“ Das kam erst später. Ein Jahr danach ging es auf die Sportschule. Acht Jahre. Aufstehen um fünf, raus aus dem Haus um halb sieben, zurück oft erst nach halb acht am Abend. Diabetes lief einfach mit.
Der Moment, in dem der Körper die Rechnung schickt
Spannend wurde es, als sie aufgehört hat. Von zwei, drei Trainingseinheiten am Tag runter auf eine – und plötzlich brauchte sie fast doppelt so viel Insulin. Innerhalb weniger Wochen. Obwohl sie immer noch täglich ihre zehn Kilometer durch den Wald gedreht hat.
Und dann war da noch etwas anderes: der Identitätsshift. Auf einmal war um 14 Uhr Schule aus. „Was macht ihr eigentlich alle den ganzen Tag?“ Ich bin Theresa, die schnell rennen kann – das hat in der neuen Schule halt keinen interessiert.
Impro-Theater als Diabetes-Werkzeug
Was mich echt überrascht hat: Theresa hat jahrelang Improtheater gespielt. Strenge Regeln außen, maximale Freiheit innen. Genau das hat ihr beim Diabetes geholfen. Eine innere Bühne, auf der man verschiedene Rollen ausprobieren kann.
Sie hat das sogar mit Jugendlichen auf einer Diabetes-Veranstaltung gemacht. Erste Partys, erste Beziehung – wie sag ich’s dem anderen? Rolle ausprobieren, statt sich die nächste Bullshit-Story zu erzählen.
Der Fehler, der alles ausgelöst hat
In ihrer ersten Schwangerschaft passierte ihr etwas, wovor wir alle Respekt haben: Sie hat ihre Insuline vertauscht – zwei Wochen lang, ohne es zu merken. Das hätte richtig schiefgehen können. Ist es zum Glück nicht.
Ihr erster Gedanke: „Alter, das ist doch jetzt nicht dein Ernst?“ Ihr zweiter: „Was kann ich aus dieser Scheiße lernen?“ Ohne ihr Wissen aus Leistungssport und Beruf wäre das vielleicht anders ausgegangen. Und viele haben dieses Wissen eben nicht. Daraus wurde ihr Coaching. Und irgendwann kam immer wieder die Frage: „Theresa, kannst du das nicht mal aufschreiben?“
Kein weiteres „Was ist Typ 1“-Buch
Drei Jahre hat es gedauert. Gefühlt 50-mal überarbeitet, achtmal komplett neu geschrieben. Theresa wollte kein Buch mit Spritze auf dem Cover, sondern ein Coffee-Table-Book. Eins, das man gern auf den Tisch legt.
Und sie hat sich Leute dazugeholt, bei denen ich kurz schlucken musste: Nacho Fernández, Judy Winter, Matthias Steiner, Sandra Starke und Dr. med. Kurt Mosetter. Ihre Strategie dafür? „Freundlich penetrant.“ Das Interview mit Nacho lief auf Spanisch – fast wäre sie im Stadion in Madrid erwartet worden. Das mit Judy Winter führte sie im Auto am Friedhof im Nachbarort, weil dort oben auf dem Berg der Empfang passte. Mehr Zuckerjunkies-Vibe geht nicht.
Das Buch hat drei Teile: abholen, inspirieren, umsetzen. Am Ende stehen fünf Tools – Werkzeuge zum Ausprobieren, was es außer Kohlenhydrate zählen noch gibt.
Die Idee, die mich umgehauen hat
Ich hab während des Gesprächs auf „Jetzt bestellen“ geklickt. Und musste zweimal lesen. Theresa nennt es das Herzensbundle: ein Buch für Dich, zwei Bücher gehen in eine Klinik (Stand 18.10.2026). Dort werden sie an Menschen verschenkt, die gerade frisch diagnostiziert sind. Oder an Eltern, die am Bett ihres Kindes sitzen und deren Welt gerade zusammenbricht. Als Dankeschön gibt es obendrauf ein 30-minütiges Einzelcoaching mit Theresa – exklusiv nur über dieses Paket (Stand 18.10.2026).
Ich weiß noch, wie ich damals in der ersten Nacht Pipi in den Augen hatte. Ich hab mich im Rollstuhl gesehen, an der Dialyse, blind. Wenn Dir in dem Moment jemand ein Buch in die Hand drückt, in dem steht: „Du kannst trotzdem Europameister werden, Olympiasieger, auf der Bühne stehen“ – das ist ein Funke Hoffnung. Mehr braucht es manchmal nicht.
Theresas Vision: Dieses Buch soll irgendwann Standard in den Diabetologien sein. Ich hab noch während der Aufnahme bestellt.
Und wer nach dem Buch tiefer eintauchen will, findet darin den Weg zu Theresas Blutzucker-Akademie – ihrer Online-Bibliothek mit weiteren Strategien (Stand 18.10.2026).
Show Notes
https://theresaberles.com/buch
Instagram: https://www.instagram.com/theresa_berles/
