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473 – Insulinpen statt Hightech … und überraschend entspannt

Sommer, Schweiß und Schlauchsalat – Warum ich im Sommer wieder zum Pen wechsle

Kaum steigen die Temperaturen, geht bei mir jedes Jahr das gleiche Spiel los. Erst denke ich: „Ach, dieses Jahr wird’s schon gehen.“ Dann kommt der erste richtig heiße Tag, ich schwitze, das Pflaster löst sich, der Katheter piekst und spätestens dann weiß ich: Willkommen im Sommer. Willkommen zurück beim Pen.

Nein, ich werfe meine Insulinpumpe nicht aus Frust in die Ecke. Ich liebe meine Pumpe. Im Herbst, Winter und Frühjahr möchte ich sie nicht missen. Aber im Sommer gelten für mich einfach andere Regeln.

Wenn ich unterwegs bin, arbeite, Vorträge halte oder den ganzen Tag auf Achse bin, dann möchte ich mich möglichst wenig mit meinem Diabetes beschäftigen. Er ist sowieso immer dabei. Dann soll er wenigstens leise sein und mir nicht zusätzlich auf die Nerven gehen.

Genau deshalb steige ich in der heißen Jahreszeit oft bewusst auf den Pen um.

Viele sagen dann: „Kleb doch einfach alles besser fest.“ Klar kann man zusätzliche Pflaster, Overpatches oder Zugentlastungen verwenden. Aber das ist einfach nicht mein Ding. Ich möchte nicht aussehen, als hätte ich meinen ganzen Körper mit Tape umwickelt. Für andere funktioniert das wunderbar – für mich eben nicht.

Also suche ich lieber eine Lösung, die zu meinem Alltag passt.

Der Wechsel zurück auf den Pen war diesmal deutlich entspannter als in den vergangenen Jahren. Ich habe mein Basalinsulin aufgeteilt und morgens sowie abends gespritzt. So konnte ich viel besser beobachten, wie mein Körper reagiert. Schon nach wenigen Tagen war klar: Auch mit Pen lassen sich hervorragende Werte erreichen.

Natürlich musste ich wieder lernen, mehr selbst zu entscheiden. Die Pumpe nimmt einem unglaublich viele kleine Denkprozesse ab. Plötzlich muss man wieder Kohlenhydrate schätzen, an Fett-Protein-Einheiten denken und Korrekturen selbst berechnen. Das fühlt sich am Anfang fast ungewohnt an.

Zum Glück helfen mir dabei Apps wie Diabetes und inzwischen auch KI-gestützte Helfer zur Kohlenhydratschätzung. Gerade wenn man länger mit einer automatisierten Insulintherapie unterwegs war, ist das eine echte Unterstützung. Trotzdem ersetzt keine App das eigene Mitdenken. Sie unterstützt – entscheiden musst am Ende immer noch du.

Was mich jedes Jahr aufs Neue begeistert, ist dieses Gefühl von Freiheit.

Einfach ins Wasser springen.

Keine Pumpe abkoppeln.

Nicht ständig überlegen, wie lange sie schon draußen liegt.

Keine Gedanken darüber, wann das Insulin langsam fehlt.

Einfach schwimmen.

Für viele mag das selbstverständlich klingen. Für alle mit Schlauchpumpe ist dieses Gefühl aber etwas Besonderes. Man merkt erst, wie viel Platz so eine Kleinigkeit im Kopf einnimmt, wenn sie plötzlich wegfällt.

Natürlich gibt es auch Nachteile. Gerade bei eiweiß- und fettreichen Mahlzeiten vermisse ich manchmal die Möglichkeiten einer Pumpe oder eines Closed Loops. Da muss ich deutlich konzentrierter bleiben und manchmal auch nachträglich korrigieren. Vergesse ich das, steigt der Zucker eben etwas später an. Passiert. Dann wird korrigiert und weiter geht’s.

Perfektion war ohnehin nie mein Ziel.

Mir geht es darum, eine Therapie zu finden, die zu meinem Leben passt.

Und genau das möchte ich auch dir mitgeben.

Du musst nicht auf eine Insulinpumpe wechseln, nur weil es gerade alle machen. Genauso wenig musst du beim Pen bleiben, wenn dich die Technik entlasten würde.

Es gibt keinen Pokal dafür, möglichst viel Hightech am Körper zu tragen.

Und es gibt auch keinen Pokal dafür, alles möglichst kompliziert zu machen.

Entscheidend ist nur eine Frage:

Funktioniert deine Therapie für dein Leben?

Wenn die Antwort Ja lautet, dann mach genauso weiter.

Gerade in der Diabetes-Community vergleichen wir uns oft viel zu schnell. Wer hat den neuesten Sensor? Welche Pumpe? Welcher Loop? Welche KI? Dabei vergessen wir häufig, dass jeder Alltag anders aussieht.

Was bei mir perfekt funktioniert, kann für dich völliger Unsinn sein.

Und genau andersherum genauso.

Deshalb probiere Dinge aus. Beobachte deinen Körper. Sammle Erfahrungen. Passe deine Therapie gemeinsam mit deinem Diabetes-Team an und hab keine Angst davor, auch mal wieder einen Schritt zurückzugehen, wenn er sich für dich wie ein Schritt nach vorne anfühlt.

Ich werde jedenfalls den Sommer weiterhin als Penner genießen.

Und wenn die Temperaturen wieder fallen, freue ich mich genauso darauf, meine Pumpe wieder anzuschließen.

Denn am Ende geht es nicht darum, ob Pen oder Pumpe besser ist.

Es geht darum, dass dein Diabetes möglichst wenig zwischen dir und deinem Leben steht.

Und genau darum geht’s doch eigentlich.


Show Notes

462 – Carbetic im Test: Endlich KH-Zählen ohne Datenbank-Stress

https://diabetes-m.com/

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