Nüchterntraining auch als Diabetiker möglich

Können Diabetiker auch ohne zusätzliche Kohlenhydrate trainieren?

Triathlon ist einer meiner Leidenschaften im Sport. Das schöne daran ist, dass wenn die Beine mal nicht Joggen wollen, kann ich mich mehr auf das Schwimmen, auf Radeinheiten konzentrieren oder einfach nur Kraftsport machen. Nicht Trainieren ist ja schon fast nicht möglich. Eine passende Ausrede finde ich nur, wenn ich einen Unterzucker habe und selbst da habe ich schon Wege gefunden, weil ich eben im Wald unterwegs war und da gibt´s nur einen Weg …. Nachladen … weiterlaufen 🙂 … Das war nicht immer so ….

Früher habe ich NIE direkt nach dem Aufstehen trainiert, weil ich dachte, dass ich als Diabetiker das einfach nicht kann. PUNKT.

Was bedeutet Nüchterntraining?

Gleich nach dem Aufstehen ohne Essen losziehen und eine Sporteinheit runterspulen. Trinken ja, jedoch nichts essen. Ob das gesund ist? Sagen wir es mal so, wir würden nicht existieren, wenn es schädlich wäre. Unsere grunzenden Vorfahren haben das jeden Tag machen müssen. Aufstehen, Steinkeule umschnallen und loslaufen. Frühstück bzw. überhaupt was zum Essen für den Tag finden und heimbringen. In dieser Zeit haben die ein paar Kilometer zurückgelegt.

Nüchterntraining = keine Kohlenhydrate vor dem Training lässt den Körper weiter Fett verbrennen.

Nüchterntraining mit einer Insulinpumpe

Wenn ich weiß, dass ich am nächsten Tag ein Nüchterntraining plane, wechsel ich schon am Abend in mein Sportprogramm. Ich habe hierzu in meiner Pumpe ein zweites Basalratenprogramm angelegt, bei dem ab 3 Uhr morgens nur noch 60% meines normalen Basalinsulins läuft. Das ganze habe ich mir als Excel-Tabelle mit einer kleinen Berechnung zusammengebaut. Diese Vorlage kannst Du unter Tipps&Tricks auf meinem Blog herunterladen.

Durch diese Reduzierung geht mein Zucker schön nach oben und ich starte entsprechend ins Nüchterntraining mit einem Wert von 150 – 200 mg/dl oder noch höher. Hauptsache nicht 100 mg/dl.

Nüchterntraining mit PEN und Verzögerungsinsulin

Mit dem Triathlon habe ich begonnen, als ich schon eine Pumpe hatte und habe mich davor auch nicht so um das Thema Nüchterntraining gekümmert. Denke aber, dass ich hier einfach anfangen würde zu spielen. Erst mal nur 80% vom Verzögerungsinsulin und beobachten, wo man da rauskommt und eben immer weniger spritzen, bis der gewünschte Morgenwert da ist. Mit der Pumpe musste ich mich ebenfalls herantasten.

Den Körper mit lockeren Einheiten auf Fettverbrennung trimmen

Es macht bei einem Nüchterntraining überhaupt keinen Sinn harte Einheiten durchzuziehen oder Eisen zu stemmen, als ob Thyssen Krupp gleich zu Besuch kommt. Dadurch erreichst Dur nur eins. Du machst Dich kaputt. Fühlst Dich schlapp und brennst einfach aus, weil null Energie im Hause ist. Durch harte Einheiten kann der Körper nicht auf das Fett als Energieträger zurückgreifen und muss den Muskeln gezwungener Maßen mit Proteinen versorgen. Da Du jetzt kein Schnitzel gefrühstückt hast, kannst Dir ja vorstellen, woher der Körper die Proteine herholt? Richtig, zum Teil von den nicht benutzten Muskeln bzw. Muskelfasern. Das ist reinster Kannibalismus und kontraproduktiv.

Daher gilt es morgens nur lockere und mäßig intensive Einheiten durchzuführen, dass der Körper mit genügend Sauerstoff das Fett verbrennen kann. Hierzu wird einfach viel Sauerstoff gebraucht, dafür hält diese Energie fast ewig an. Beim Laufen hilft die LLL-Taktik: Lange, Langsame, Läufe

Hungerast
Hungerast bedeutet im Sport, dass Du irgendwann so dermaßen Hunger bekommst, dass Du kurz davor bist die Rinde vom Baum zu knabbern. Dein Körper gibt Dir jetzt einen Warnschuss und teilt Dir mit, dass Du in einem Modus fährst, der die Kohlenhydrate fast aufgebraucht hat. Daher die nette Bitte von ihm: NACHLADEN! und Geschwindigkeit drosseln, sonst macht er den Laden dicht.

Klugscheisser
Unser Energiehaushalt von Fett kann zwischen 60.000 und 100.000 Kalorien betragen und Kohlenhydrate schaffen es in den Speicher nur mit schlappen 2.000 Kalorien.

Unterzuckerungen bei einem Nüchterntraing?
Klar, gibt´s auch mal. Ich habe natürlich immer was dabei, um zur Not einzugreifen, jedoch fahre ich meine Pumpe einfach runter und schaue, dass es eben passt. Lieber zu hoch, als zu niedrig. Wenn ich bei 100 mg/dl bin, so lade ich nach und trainiere weiter. Der Nüchterneffekt ist dann eben dahin. Gleiches gilt auch, wenn meine Pumpenstrategie mal nicht aufgeht, ich aber die Trainingseinheit geplant habe. Dann pfeife ich auf das Nüchterntraining, esse eine Banane und ab zum Training.

Ich verdiene keine Brötchen mit dem Sport, daher alles halb so wild. Gesundheit geht vor.

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Vielen Dank für´s Lesen

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Der Diabetiker Podcast: Zuckerjunkies
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Wir lesen und hören uns,
Dein Zuckerjunkie

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