Lieber an der Nadel hängen oder ein Leben auf Pump?

Lieber mit Pen oder ständig „onLeine“ mit der Pumpe?

Vor kurzem wurde ich wieder daran erinnert, wie es bei mir eine Gefühlsflut ausgelöst hat, als man mir eine Pumpe in der Schulung vorgeschlagen hat. Boah! Pumpe! Echt jetzt? Direkt verkabelt?

Jeder Handelsvertreter hätte sich im Raum in Luft aufgelöst, als ich auf einmal nur Ngatives ausgepackt und die Pumpe erst einmal knadenlos vernichtet habe. Oje. Im nachhinein tut mir das echt leid. Weil ….

Ich trage jetzt die Pumpe schon seit vielen Jahren und bin meinen Diagöttinnen in der Klinik dankbar, dass sie immer am Ball bleiben und sich nicht von uns entmutigen lassen. *Dafür liebe ich Euch*

Bei mir war der ausschlaggebende Punkt, dass mir eines Tages die Accu-Chek Spirit Combo mit einem Bluetooth Messgerät vor die Nase gehalten wurde, mit dem sich die Pumpe steuern lässt. Super Sach! Geht doch 🙂

Nachteile Pen

Kommen wir einmal zum unauffälligen Spritzen mit dem Pen. Das trifft jetzt primär auf mich. Ich bin viel geschäftlich im Auto unterwegs, sitze in langen Meetings, bin auf irgendwelchen Baubesprechungen oder habe ein Geschäftsessen. Letzteres bekomme ich mit der „Konfirmatenblase“ in den Griff. Ich habe mich damals einfach immer entschuldigt, um mir kurz vor dem Essen die Hände zu waschen oder zur Not bin ich eben erst nach dem Essen auf´s Klo und habe mir das Insulin gespritzt. Egal. Hat immer irgendwie funktioniert; war aber lästig.

Die geliebte Pen-Nadel. Stumpf und nicht gewechselt? Autsch. Kennen wir alle 🙂 Regelmäßig wechseln und schon kein Nachteil mehr.

Im Auto während der Fahrt mit dem Pen den Zucker korrigieren? Naja. Da musst Du einfach einen guten CoPiloten an Bord haben. Ich habe immer angehalten, was ich Dir auch dringend empfehlen würde.

Mit dem Pen keine wirklich Verzögerung oder Multiwave Bolus möglich
Mit dem Pen habe ich mir immer morgens und abends zu fast immer gleichen Tageszeit – 12 Stundenrhythmus – das Verzögerungsinsuliun spritzen müssen/sollen. Je nach Party, Unternehmung hat das auch immer geklappt. Ich hatte den Pen mit meinem Verzögerungsinsulin immer dabei, wenn ich wusste, dass ich abends nicht pünktlich nach Hause komme. Nur daran denken, war wieder eine andere Sache 🙂

Wenn ich Sachen wie Pizzen gegessen habe, die aus einer Kohlenhydrat-Fett-Eiweiß-Kombi bestanden, wusste ich, dass der Blutzuckeranstieg gegen später erst eintreffen wird. Dumm ist eben nur, dass der zuvor gesetzte Bolus gar nicht mehr wirkt. Ich musste also den Zuckerspiegel beobachten und habe damals mit Actrapid immer in kleinen Dosen nachkorrigiert. Mal ging´s gut, mal ging´s in den Unter- oder Überzucker 🙂

Vorteile Pen

Klein, fein, versteckt und extrem unauffällig. Man hat keinen Schlauch oder irgendein „Pflaster“ am Körper. Keine Hingucker im Schwimmbad und Erklärungen auf die Frage „Was ist das?“

Je nach Pen, kannst Du auch kleine Insulineinheiten abgeben.

Ja, man kann auch fast immer unbemerkt das Insulin in den Bauch spritzen.

Keine Batterien wie bei einer Pumpe notwendig und letztendlich brauche ich nur Nadeln und mein Insulin in der „Penfill“ Ampulle ohne dieses vorher nochmals umzufüllen, wie es bei der Pumpe der Fall ist.

Nachteile Pumpe

Ich habe damals gegen die Pumpe so dermaßen abgelästert, weil es noch keine Möglichkeit gab alles über Bluetooth zu steuern. Ich habe mich bei den Terminen gesehen, wie ich letztendlich mit der Pumpe auf´s Klo gehe und Insulin abgebe oder mich irgendwelchen fragenden Gesichtern ausgesetzt fühlte. Hab eben nicht alles richtig verstanden.

Ich habe mir ständig einen Kopf gemacht, wie ich mit dem Schlauch klarkommen sollte? Was wenn der abreisst oder mir die Nadel damit rausgerissen wird. Piekst die Nadel nicht am/im Bauch? Bin doch Bauchschläfer. Kann nicht gut sein.

Auch muss man immer daran denken, dass man mehr Material und letztendlich auch Müll rumschleppen muss. Batterien müssen immer an Bord sein, Katheter und Nadeln nehmen definitiv mehr Platz weg, als jeder Pen und seine Ersatznadel. Für zwei Woche Urlaub nehme ich eine 10er Nadelbox im Mix aus Nadel / Nadel+ Katheter mit, Stechhilfe für das perfekte Anbringen. Hinzukommt noch Batterien für die Pumpe sowie die Abdichtungen für Batterie und Ampulle. Letztendlich auch noch ein paar Aufziehampullen (Cartridge) für mein Insulin.

Es kommt vor, dass der Katheter mal verstopft ist oder auch die Nadel nicht richtig sitz. Daher immer die Stechhilfe verwenden. Macht schon extrem viel aus. Hab das anfangs auch nicht gemacht. Dummer Fehler 🙂

Vorteile Pumpe

Du kannst mit der Pumpe „künstliche Bauchspeicheldrüse“ spielen. Mit der Pumpe kannst Du mit etwas Geduld und Übung das Basalinsulin so perfekt einstellen, dass Du bei Deinen Essauslassversuchen eine fast gerade Linie bekommst. Das ist immer das Ziel 🙂 Mal klappt´s, mal nicht. Der Körper verändert sich halt. Egal, wenn man sich mit dem Thema Pumpe und Insulin beschäftigt, bekommt man immer die Kurve … äh Linie 😉

Weiterhin kann ich nun bei Meetings, haben wir wieder was gelernt, ganz einfach und unauffällig mittels den zwei Knöpfen (Accu-Chek Spirit Combo) das Insulin in 0,5 Schritten blind abgeben. Ich messe unauffällig mit meinem Sensor von FreeStyle Libre den Blutzucker und gebe entsprechend zum Essen oder auch nur eine Korrektur über die Pumpe ab. Keine Entschuldigung, dass man kurz auf´s Klo muss oder andere Ausreden für den benötigten „Schuss“.

Ich muss mir nicht ständig die Nadel in den Bauch rammen, wenn ich mal eine längere Fressorgie feier.

Der für mich wichtigste Punkt ist aber, dass ich mit dem berühmten Multiwave und Verzögerungsbolus arbeiten kann. Somit geht Fleisch, Fett, Eiweiß in Kombi mit Kohlenhydrate locker ins Blut und wird parallel vom Insulin über eine verzögerte Zeit verfolgt.

Du brauchst auch nicht all den ganzen Firlefanz wie Tragegurt, Gürtelhalter, Umhängetasche und was weiss ich noch. Hab alles gehabt und nu? Ich habe die Pumpe im Alltag einfach in der Hosentasche. Durch den langen Katheter (60cm) passt das ohne ziehen und zerren. Meine Trainingshosen für den Sport haben auf der Rückseite eine Klapptasche, bei der die Pumpe super reinpasst. Wenn es mal nicht gegeben ist, kannst Du auch einen FlipBelt verwenden. Da passt noch mehr als nur eine Pumpe rein und lässt sich nach dem Sport prima waschen.

An alle Frauen: Mich würde es mal interessieren, wie die Pumpe im Alltag getragen wird? BH-Halterung habe ich schon gehört und das der Tragegurt sehr oft im Einsatz ist. Somit verschwindet die Insulinpumpe bei der Frau aber auch beim Mann einfach hinten am Rücken oder seitlich am Bauch. Hab ich was vergessen? Welche Live-Hakz gibt´s noch?

Mythos – die gesetzte Pumpennadel sticht immer im Bauch: Ne. Vielleicht, wenn Du einen Nerv erwischt. Glaub mir, dann wechselst Du freiwillig die Nadel 🙂 Alles gut. Kannst auf dem Bauch schlafen und wirst nicht durchbohrt! 😉

Mythos – im Schlaf reisse ich mir den Katheter raus: Ne. Ich wickel mich fast jede Nacht einmal damit ein. Passiert nichts und wenn überhaupt, dann wachst Du in der Nacht auf. Ist mir in den ganzen Jahre noch nie passiert.

Bei Aktivitäten, bei denen die Pumpe nicht mit kann, legst Du sie einfach ab. Zum Beispiel in der Sauna. Nach jedem Saunagang Pumpe anlegen oder in diese Zeit mit dem Pen arbeiten. Im Freibad ist das für Frauen oft ein Thema. Einfach den Pen nutzen und gut is.

Ab 18
Der einzige Grund, was für mich gegen eine Pumpe sprechen könnte, wäre die zwischenmenschliche Beziehung. Wer Single und noch auf der Jagd ist, könnte mental Probleme damit bekommen. Meine Freundin hat damit null Probleme gehabt, als ich auf die Pumpe umgestellt habe. Das ist nur eine kleine Handbewegung und schon ist die Pumpe weg. Kopfsache!

Deine Dia kann Dir übrigens auch eine Attrappe geben. Hatte ich anfangs auch und auch da ist nichts passiert 😉

FAZIT: Pen ist prima, Pumpe ist definitiv besser. Wo der Pen verstaut wird, kann ich auch mal Pumpe zwischenparken.

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