Autofahren mit Diabetes

Als Diabetiker sollst du bei längeren Autofahrten alle zwei Stunden deinen Blutzucker messen. Gibt es Methoden, um sich die Fahrt etwas zu erleichtern?

2-Stunden Regel einhalten

Autofahren bedeutet Konzentration und Konzentration verbraucht im Hirn Glucose. Daher sinkt der Blutzuckerspiegel beim Autofahren schneller, als wenn ihr euch die gleiche Zeit vor den Fernseher setzen würdet.

Pflichtprogramm vor jedem Autofahren

Bevor du zur Arbeit, Schule oder zum Kindergarten fährst (… du hast jetzt nicht wirklich daran gedacht, wie ein Kind sich selbst in den Kindi fährt, …?), solltest du deinen Zucker messen. Es bringt nichts zu meinen oder zu vermuten, ob der Wert aufgrund eines Gefühls gut ist. Mess einfach. Ist der Wert ok, dann ab auf die Strasse.

Wann sind die Werte vor dem Autofahren Ok?

Ein Wert ist dann Ok, wenn die letzte Korrektur mit Insulin ca. 2 Stunden her ist und dein Zucker optimal bei ungefähr 100-120 mg/dl ist. Bei 80 mg/dl nimm zur Sicherheit noch eine schnelle BE (Gummibärchen, Traubenzucker, Apfelsaft etc.). Ich musste früher schon öfters rechts ranfahren, weil ich das Gefühl einer Hypo hatte. War zwar fast immer falscher Alarm aber eben nur fast daher … spar dir den Stress.

Plane längere Autofahrten

In der Regel kommen Autofahrten, die länger als zwei Stunden gehen, nicht immer spontan um die Ecke gelaufen. Daher kannst du dich darauf vorbereiten:

  • Korrigiere eine BE weniger, wenn dein Zucker einen super Wert hat, z.B. 100 mg/dl, um etwas Puffer reinzubekommen
  • Nimm schnelle BEs mit, also alles was schnell vom Körper aufgenommen werden kann (Apfelsaft, Gummibärchen, Traubenzucker, Cola usw.). Komm nicht auf die Idee ein Schokoriegel zu essen, wenn es schnell gehen muss. Schokolade ist kein Einfachzucker, sondern ein „Zweifachzucker“ (Einfachzucker x 2) und muss daher erst im Köper geknackt werden. Somit kommt die Schokolade erst später im Blut an. Weiterhin enthält Schokolade Fett, was die Aufnahme zusätzlich verlangsamt
  • Nichts verstecken, sondern alles griffbereit. Wenn du hippelig wirst, solltest du nicht suchen müssen.
  • Notfallreiseset. Kauf dir eine kleine Tasche, die nur dafür genutzt wird und somit auch nicht mehr ausgeräumt werden muss. Darin packst du alles ein, was du brauchst:
    • Insulin in einem Extrabeutel, damit die dünne Schutzfolie nicht reisst
    • Ersatznadel für den Pen / Pumpe
    • Alkopads (gibt es von Braun als 100er Packung), Desinfektionsspray nimmt nur Platz weg und im Flieger kann es ab 100ml Probleme machen
    • Als Pumpenträger nimmst du zusätzlich noch eine Kanüle mit Katheter mit
    • Ersatzbatterien für das Blutzuckermessgerät. Pumpenträger nehmen zusätzlich noch eine Batterie für die Pumpe mit.
    • Messgerät für Ketone, falls du keins hast, lass dir ein Messgerät für Ketone verschreiben. Nervt wie sau, wenn man bald einen Rucksack dabei hat aber ohnmächtig in der Ecke liegen ist irgendwie auch keine Option

Glaub mir du willst das nicht bei einer Notfallapotheke kaufen. Unsere Zuckerjunkie Ausrüstung kostet echt Asche, wenn man das selber zahlen darf.

Hier mal ein paar Zahlen, was dich der Spaß ohne Rezept kosten kann (nenne jetzt keine Markennamen und richte mich nach dem UVP):
– Blutzuckerteststreifen (Inhalt 50 Teststreifen) ca. 27,99 EUR
– Insulin – je nach Art z.B. 10er Packung mit 3ml Ampulle ca. 123,99 EUR
– Pumpenzubehör: Kanüle ohne Schlauch (10 Stk.) ca. 103,60 EUR

Soll ich den ganzen Kram immer mitschleppen, wenn ich mal 2 Stunden im Auto sitze?

Stell dir vor, du fährst 2 Stunden zu einem Kunden, Freunden oder auf eine Party. Dort angekommen misst du deinen Zucker und bist über dein geplantes Ziel hinausgeschossen und hast jetzt anstatt 130 mg/dl satte 250 mg/dl. Was machst du jetzt? Richtig, du korrigierst. Wann kontrollierst du? Auch richtig, nach einer Stunde, weil du wissen willst, ob sich irgendwas bewegt.

Es bewegt sich was aber nicht nach unten, sondern dein Zucker ist jetzt bei stolzen 280 mg/dl. Du bist übrigens immer noch ohne Notfallset 2 Stunden von zu Hause entfernt. Du wolltest eigentlich noch eine Kleinigkeit essen …. wolltest! Dir wird jetzt bewusst, dass irgendwas nicht richtig läuft. Pinkeln musst du schon seit der letzten Ausfahrt. Oje.

Das ganze Szenario kann entweder gut enden oder schlecht. Wenn das Insulin nicht anschlägt, weil es a) nur noch der Rest vom Fest ist und es eben halt nicht mehr so richtig wirkt oder b) bei Pumpenträger die Nadel nicht richtig sitzt, verstopft ist oder der Katheter ne Macke hat, kann es eben vorkommen, dass der Zucker richtig gut nach oben klettert.

Keine Ketone oder doch Ketone? Wie hättest du es gerne? Mit oder ohne?

Wenn dein Zucker nach oben schnellt und nicht mehr runterkommt, musst du auch einmal an Ketone denken. Die Dinger sind a) scheisse und b) ziemlich doof zu korrigieren. Ketone kannst du dir vorstellen wie kleine hungrige Bastarde, die du nur mit Insulin satt bekommst. Wieviel die fressen wollen, bekommst du entweder nur mit der Erfahrung raus, die du hoffentlich nicht hast oder eben mit einer entsprechenden Vorgehensweise, die ich dir in einem meiner nächsten Blogartikel zeigen werde.

Kann ich jetzt trotzdem irgendwie längere Strecken zurücklegen, ohne eine Pause zu machen?

Ja, wenn du als PEN-Junkie einen guten CoPiloten hast, der sich mit deiner Krankheit auskennt, weiss wie man ein Zuckermessgerät bedient und wie er ggf. den PEN nach deinen Vorgaben für eine Insulinabgabe vorbereitet. Das klappt ziemlich gut und du hast normalerweise immer die rechte Hand frei, weil du auch mal Schalten musst. Bei Automatik ist das noch besser 🙂

Trägst du einen Sensor mit Pumpe kannst du alles selber machen. Deinen Sensor hast du normalerweise gut zugänglich am Arm (zumindestens ist das bei mir so) und erreichst diesen mit deinem Scanner. Je nach Wert kannst du nun dein Insulin über Bluetooth oder direkt blind über die Pumpentasten abgeben (sollte bei jeder Pumpe so sein). Um das Insulin über die Pumpentasten blind abzugeben, musst du nur einen Kompromiss eingehen. Die Insulin-Einheit musst du auf oder abrunden. Ich tendiere zum Abrunden, wenn ich noch länger unterwegs bin und ich runde auf, wenn ich kurz vor dem Ziel bin, weil ich weiss, dass ich dann besser reagieren kann.

Warum? Ich habe nämlich mein Notfallset immer dabei.

Ich danke dir für´s Lesen

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Ich würde mich über ein Kommentar freuen, um zu erfahren, welche Erfahrungen du selbst beim Autofahren gemacht hast. Gerne nehme ich deine Tipps für einen weiteren Artikel mit auf.
Natürlich freue ich mich auch einfach so über ein Kommentar oder „Gefällt mir“ 🙂

Wir lesen uns,
dein Zuckerjunkie

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