Insulinkühlung auf dem Motorrad

Mit dem Insulin durch Afrika

Ich habe einen tollen Artikel gefunden, indem es um das Kühlen von Insulin geht und zwar während einer Tour durch Afrika.

HINWEIS:
Ob die hier erwähnte Werte noch heute gelten sei dahingestellt. Mir geht es darum aufzuzeigen, was alles machbar ist, wenn man nur will.
Sei Dir immer im Klaren, dass bei einem absoluten Insulinmangel innerhalb weniger Stunden die Gefahr eines Komas besteht! Walter hat hier sehr viel recherchiert und getestet und nicht einfach blind losgelegt, auch wenn es den Anschein hat 🙂

1985 hat Walter Oevel ein Motorrad-Miniaturkühlschrank für den Transport von Insulin konstruiert und dadurch sehr viel über das Verhältnis zwischen Insulin und Hitze herausgefunden. Ich habe ihm geschrieben und die Erlaubnis bekommen, seinen Artikel als Basis zu verwenden. Viel Spaß beim Lesen.

Allgemeines zur Insulinkühlung

Die Pharmaindustrie muss sich logischerweise absichern und gibt daher an, dass das Insulin gekühlt (optimal bei 8° Celsius) gelagert werden muss. Nach Rücksprachen mit Chemikern aus den Pharmakonzernen kam raus, dass die Aktivitätsrate von Insulin bei Körpertemperatur nach 6-8 Wochen immer noch über 90% lag. Macht ja auch Sinn. Wenn wir den guten Stoff in der Hosentasche rumtragen, im Reisegepäck haben oder im Hotel rumliegt (nein, nicht überall gibt´s nen Kühlschrank), wäre es ja doof, wenn das Zeug gleich hops geht.

Aber was ist mit den berühmten 40°C?
Selbst nach kurzzeitigem Überhitzen (mehrere Stunden bei 50°C!) war das Insulin noch bedingt verwendungsfähig. Walter Oevel hat hierzu eine Tabelle aus der damaligen Apotheken-Praxis vom 15.08.1996 gefunden.

Bei einer konstanten Lagertemperatur von 40°C wurde gemessen, nach welcher Zeit die Aktivität auf 98% bzw. auf 95% gesunken war:

Insulin98%95%
Actrapid5 Wochen14 Wochen
Semilente2 Wochen5 Wochen
Lente1 Woche4 Wochen
Rapitard3 Wochen7 Wochen
Ultralente1 Woche3 Wochen

Kommentar vom Zuckerjunkie: „Lustig. Ich habe selber immer zwei Ampullen in meiner Notfalltasche. Dieses Insulin nehme ich vielleicht alle zwei Monate raus und packe es in meine Pumpe aber ansonsten, liegt es halt rum. Bisher null Probleme mit der Qualität gehabt. Null!“

Walter hat auch einmal eine Ampulle in seiner Jacke über 6 Wochen im afrikanischen Hochsommer herumgetragen. Im Schnitt waren es 30-40° und einige Nachmittage mit 50°. Er hat diese Ampulle dennoch genutzt und wusste aber, dass er jetzt genau beobachten muss, wie das Insulin wirkt. Die Wirkung hat nachgelassen und daher musste er mehr Insulin spritzen aber es hat als „Notlösung“ funktioniert.

Fazit von Walter Oevel: „… nicht für wochenlangen Gebrauch zu empfehlen, aber es ist gut zu wissen, dass man zur Not auf jeden Fall durchhalten kann, bis man wieder an frisches Insulin herankommt.“

Tipps für den Transport in sehr warmen Gebieten ohne großes Gebastel
Thermoskanne mit Wasser füllen und Insulin versenken. Hat zwei Vorteile. Erstens isoliert die Thermoskanne Kälte oder Wärme von aussen und zweitens schützt es das Insulin vor Stößen.

Das Insulin kann auch in einen nassen Lappen gewickelt werden, der durch schon durch die Verdunstung das Insulin abkühlt. Klappt aber nicht auf dem Motorrad, weil es ratz fatz trocken ist. Du findest kein Wasser oder die Flasche hast Du schon leer getrunken? … Von wo nach wo fliesst denn das Wasser, welches Du vorher gierig ausgetrunken hast? … Mhhhh …

Was passiert, wenn das Insulin unterkühlt wird?
Laut seinen Ergebnissen und Recherchen wird das Insulin durch das Gefrieren nicht beeinträchtigt aber das Depot-Insulin kristallisiert dabei zu Kurzzeit-Insulin um. Auch hier wieder der Tipp. Wenn es extrem kalt ist, das Insulin nah am Körper tragen (z.B. Bauchgurt) oder in die Thermoskanne packen. Falls Du mit dem Eisbär frühstücken solltest, kannst Du das Insulin vorher durch ein Eisloch im Wasser tief genug versenken. Somit schlummert es mit 4 Grad vor sich hin.

Zum Motorrad-Kühlschrank von Walter Oevel

Außenabmessungen: L 107 x B 60 x H 85 mm
Kühlinhalt: 3 Insulinampullen
Innentemperatur: durch Thermostatschalter 15° – 30°
Verbrauch: 15 – 20 Watt (bei aktiver Lichtmaschine kein Problem)
Damalige Kosten: ca. 800 DM, die er aber mit seinem neuen Wissen um die Hälfte reduzieren könnte

„Bei laufendem Motor liefert die Lichtmaschine immer genügend Energie. Das eigentliche Problem sind heissen Tage, an denen man gar nicht fährt.
Der effektive Stromverbrauch ist schwer abzuschätzen, da durch die Thermoschalter sich das Gerät erst bei einer Innentemperatur von etwa 30° einschaltet, dann bis 15° herunterkühlt und sich dann wieder ausschaltet. Mit der 20 Ah-Batterie meiner BMW konnte ich das Motorrad 2 Tage lang in praller Sonne (Hochsommer im Niger) abstellen, am Abend des 2. Tages war die Batterie leer. Achtet man drauf, dass die Maschine stets im Schatten steht, so verlängern sich die Aus-Phasen und die Batterie reicht länger. Wenn man jeden Tag ein bisschen fährt, ergeben sich keine Probleme, bei längeren Aufenthalten findet man dann in der Regel sowieso andere Kühlmöglichkeiten (eisgekühlte Cola gibt es wirklich überall).“ (Quelle: Insulinkühlung auf dem Motorrad, Walter Oevel, 24.02.2001)

Mein persönliches Fazit:

Ich habe mich zu Beginn meiner Diabetes absolut verrückt gemacht und jeden Diabetes-Shit gekauft, damit alles mega super gelagert wird. Irgendwann war eben der Moment gekommen, an dem ich meine Kühlpads nicht einen Kühlschrank zwischenlagern konnte und bin nicht gestorben. Somit habe ich das Thema einfach angefangen auszureizen und tataaaa ich lebe und meinem Zucker geht´s ebenfalls gut.

Selbst, wenn mir aktuell sogar dieser kleine Aluminiumsarg reisst, indem sich die Insulinampulle befindet, ist es mir wurscht. Auch wenn dieses Insulin so geöffnet in meiner Notfalltasche rumfährt und ne Party mit nem Keks feiert, desinfiziere ich einfach die Stelle, an der ich das Insulin aufziehe und gut is oder glaubst Du, dass in den Kliniken die großen Medikamentenampullen nach dem ersten Öffnen und Nadelaufziehen immer weggeschmissen werden? Ne, die „Einstichstelle“ wird desinfiziert und weiter geht es im Programm.

Ein ganz großes Dankeschön geht an Walter Oevel, der mir die Möglichkeit gegeben hat einen kleinen Bericht über seine Erfahrungen und Erfindung zu schreiben. Den kompletten Artikel mit seinen tieferen technischeren Details gibt es hier als PDF InsulinKuehlung-Tripp-nach-Afrika.

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Vielen Dank für´s Lesen

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