InterviewPodcast

457 – Warum dein Kopf oft mehr arbeitet als dein Diabetes

Viele Menschen – mich eingeschlossen – merken erst dann, wie laut ihr Kopf eigentlich ist, wenn sie versuchen, einfach nur im Moment zu sein.

Typ-1-Diabetes ist mehr als Blutzucker, Insulin und Technik. Es ist ein Dauerzustand im Kopf. Entscheidungen, Zahlen, Alarme, Berechnungen – jeden Tag. Genau darüber spreche ich in dieser Folge mit zwei Menschen, die sich intensiv damit beschäftigen, wie wir mit diesem mentalen Dauerstress umgehen können.

Zu Gast sind Mirjam Eiswirth, die Achtsamkeitskurse speziell für Menschen mit Diabetes anbietet und in der Diabetesforschung arbeitet, sowie Sandy, vielen aus der Community bekannt durch seine technischen YouTube-Tutorials rund um Diabetes-Technologie.

Schon der Einstieg zeigt ziemlich gut, worum es eigentlich geht: Wir vergleichen unsere aktuellen Blutzuckerwerte, lachen über Pizza-Experimente und sprechen über klassische Diabetes-Situationen, wie Unterzuckerungen und die Frage, was man wirklich sinnvoll zur Korrektur dabei haben sollte.

Und genau da merkt man schon: Diabetes begleitet uns permanent.

Der Kopf läuft ständig auf Vollgas

Ich habe in der Folge eine Beobachtung geteilt, die mir erst durch den Achtsamkeitskurs bewusst geworden ist.

Ich stehe morgens um fünf auf, gehe mit meiner Hündin raus und habe früher immer Podcasts oder Hörbücher gehört. Nicht aus Langeweile – sondern weil mein Kopf sonst sofort losrennt.

Projekte, Ideen, Aufgaben, To-dos.

Ein Gedanke jagt den nächsten.

Der Kurs hat mir gezeigt: Diese permanente geistige Aktivität ist für viele Menschen mit Diabetes völlig normal. Wir sind es gewohnt, ständig zu rechnen und zu planen:

  • Wie ist mein aktueller Blutzucker?
  • Wie viel Insulin wirkt noch?
  • Wie beeinflusst Bewegung meinen Wert?
  • Habe ich richtig gespritzt?
  • Was passiert in den nächsten Stunden?

Diese permanente mentale Belastung nennt man auch Diabetes-Mental-Load.

Achtsamkeit bedeutet nicht „nichts tun“

Mirjam beschreibt Achtsamkeit als:

Das bewusste Beobachten des gegenwärtigen Moments – ohne zu urteilen.

Das klingt erstmal simpel. In der Praxis ist es das aber überhaupt nicht.

Viele Menschen – mich eingeschlossen – merken erst dann, wie laut ihr Kopf eigentlich ist, wenn sie versuchen, einfach nur im Moment zu sein.

Ein Beispiel aus meinem Alltag:

Beim Spaziergang konzentriere ich mich inzwischen bewusst auf meinen Hund. Wie bewegt sie sich? Wie bewegen sich ihre Pfoten? Wo schaut sie hin? Was nimmt sie wahr, was ich schon wieder verpenne?

Das klingt banal. Aber genau dadurch schaffe ich es, für einen Moment aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen.

Kleine Übungen mit großer Wirkung

Im Kurs ging es nicht um komplizierte Meditation oder stundenlange Übungen. Es ging um kleine Dinge im Alltag.

Zum Beispiel:

  • bewusst atmen
  • Wahrnehmung beim Zähneputzen
  • Essen wirklich schmecken
  • Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen

Eine besonders spannende Übung war das sogenannte „Wolkenziehenlassen“ aus dem Tai-Chi.

Die Idee dahinter:
Gedanken kommen und gehen – genau wie Wolken am Himmel. Man muss nicht jeden Gedanken festhalten oder analysieren.

Man kann ihn auch einfach weiterziehen lassen.

Gerade für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist das unglaublich hilfreich. Denn unser Kopf produziert ständig neue Szenarien.

Jeder findet seinen eigenen Weg

Ein wichtiger Punkt aus unserem Gespräch:

Achtsamkeit funktioniert für jeden anders.

Für manche Menschen ist es Meditation.
Für andere Bewegung.
Für andere Kochen.
Oder ein bewusstes Gespräch beim Abendessen mit der Familie.

Sandy beschreibt zum Beispiel, dass Kochen für ihn eine Art Flow-Moment ist. Er kann dabei komplett abschalten.

Ich dagegen habe festgestellt, dass mir einfache Routinen helfen – zum Beispiel bewusste Atemübungen oder kleine Rituale im Alltag.

Gewohnheiten verändern den Alltag

Ein spannender Gedanke aus der Folge ist:

Nicht unsere Persönlichkeit bestimmt unsere Gewohnheiten – sondern unsere Gewohnheiten formen unsere Persönlichkeit.

Das bedeutet:
Man kann Achtsamkeit tatsächlich trainieren.

Je häufiger man bewusst im Moment bleibt, desto leichter fällt es.

Und gerade bei einer chronischen Erkrankung wie Typ-1-Diabetes kann das einen riesigen Unterschied machen.

Warum dieses Thema so wichtig ist

Wir leben in einer Zeit voller Reize.

Smartphones.
Social Media.
Alarmmeldungen.
Technologie.

Für Menschen mit Diabetes kommt noch eine zusätzliche Ebene dazu: medizinische Entscheidungen rund um die Uhr.

Deshalb ist es wichtig, sich bewusst Momente zu schaffen, in denen man nicht reagiert, sondern einfach nur wahrnimmt.

Achtsamkeit ist kein esoterischer Trend.

Es ist ein Werkzeug.

Ein Werkzeug, das helfen kann, mit der täglichen Diabetes-Realität besser umzugehen.

Und genau darum geht es in dieser Folge.


Show Notes

www.co-clarity.de
Insta: @mirjamice

445 – So hilft Achtsamkeit, Diabetes-Stress zu reduzieren

Einen Livemittschnitt findest Du auf dem YouTube Kanal von Sandy

https://www.youtube.com/c/SandysDiabetesLoop

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